Likör – süsse Verführung

Likör – süsse Verführung

Von Simon Schmidlin, Barkeeper und Verkaufsberater 

Geschichte und Entwicklung

img_1404_cartron_beerenWie arm wäre die Genusswelt doch ohne die Vielfalt der Liköre – ohne ihre Aromen, ihre verlockende Süsse und ihr unglaubliches Farbenspiel. Kein Zweifel, Liköre sind ebenso beliebt wie erfolgreich. Doch wie immer, wenn es um originale, traditionsreiche Erfolgs-Rezepte geht, wird um deren genaue Herkunft gestritten. Oftmals führt uns ein Zusammenschluss damaliger Kenntnisse dann zu dem Produkt, das wir heute kennen. So ist Fakt, dass bereits im 15. und 16. Jahrhundert in Italien auf einfachste Weise Früchte, Kräuter und Wurzeln in Branntwein eingelegt wurden. Diese simple Mazeration ergab schon erste aromatisierte Spirituosen. Diese wurden zudem – um sie trinkbarer und lieblicher zu machen – mit Honig verfeinert. Erste nennenswerte Produkte wurden aus Rosenblättern hergestellt. So prägte sich dann auch der Begriff „Rosoli“, der in der Likörwelt seit jeher seinen festen Platz besitzt. Ebenfalls aus dieser Zeit tauchten in Frankreich erste Likör-Rezepte auf. Heute gibt es aus allen Teilen der Erde hervorragende Produkte – doch die vorderen Ränge bei verwöhnten Geniessern, belegen nach wie vor die Liköre aus Italien und Frankreich.

Geschmack, der die Epochen prägt

Die Herstellung von Likören wurde stetig verfeinert und den Geschmäckern der jeweiligen Epoche angepasst. Heute wird oft der Auszug (Mazeration) mit einem Neutral-Alkohol vollzogen. Später wird dieser mit Wasser verdünnt und mit Zucker auf die gewünschte Süsse gebracht. Bei einigen bekannten Likören wird zusätzlich die Mazeration destilliert. Die so gewonnene Essenz wird anschliessend mit Neutral-Alkohol, Wasser und Zucker gemixt. Wie es zum Beispiel auch beim Curaçao und Triple Sec der Fall ist.

Ein guter Likör hält sein Aroma

Geniesser verstehen unter Likören gesüsste Branntweine, die auf verschiedenste Art und Weise aromatisiert werden. Basis eines Likörs sind Alkohol, Süss-Stoff und Aromen.  Was wäre eine Bar, ohne ihre Vielzahl an Likören und deren phantastischen Möglichkeiten. Dabei haben die Liköre den Einzug in die Bar sicher auch ihrer intensiven Farb-Vielfalt zu verdanken. Liköre sind nicht nur geschmacklich eine süsse Verführung, sondern auch ein echter Hingucker. So wurden sie bereits früh zum Mixen von Cocktails verwendet, um durch ihre exotischen Farben die Gäste zu begeistern. Viele Klassiker sind ohne den jeweiligen Likör einfach undenkbar. Ihre prachtvollen Farben erhalten Liköre durch natürliche Zugabe von diversen Blättern, Safran, Gelbwurz, Farbläuse oder Sirup – und natürlich auch durch künstliche Farbstoffe.

Likör für mich

img_1404_cartron_drinkAn Likören fasziniert mich besonders deren endloser Einsatz-Bereich. Sei es für ein Aroma oder für die Farbe. Wie oft kann ich beispielsweise mit einem perfekt gewählten Likör einen Cocktail das „gewisse Etwas“ geben. Viele Klassiker sind ohne Likör gar nicht denkbar. Wichtig ist für mich, dass der Likör nicht nur süss und überzuckert ist, sondern dass er sein Aroma hält. Ein Kirschlikör, der nur nach süsser Zuckerfrucht schmeckt, ist noch lange kein guter Kirschlikör. Spannend finde ich auch Liköre in den so genannten Spritz-Cocktails. Denken wir einmal an die grandiosen Erfolge von Aperol Spritz, Campari Milano, Hugo oder Lillet Vive. Ob süsslich, eher trocken oder bitter – es ist für alle etwas dabei. Und immer ist ein Likör der Ursprung.

Liköre sind im Trend

Spritz Cocktails entsprechen dem Zeitgeist und sind aktuell sehr in Mode. Was mit Aperol Spritz begann, erlebt seit einigen Jahren mit Drinks wie Hugo & Co. einen ungebremsten Hype. Trendgetränke dieser Art sind in beinahe jeder Bar zu finden. Eignen sich die „frischen Varianten“ doch hervorragend als Sommerdrinks.

Neu angesagt: Sanfte Aromen von Tee und Blumen

So trifft man in den Szenebars der Welt immer mehr Varianten mit Likören, die die Aromen von Tee oder Blumen widerspiegeln. Für mich als Barkeeper ist im Sommer der Rooibos Likör von Joseph Carton besonders spannend. Dieser Likör wird aus der Rinde südafrikanischer Rooibos Sträucher hergestellt. Trotz seiner cremigen Süsse verliert er nicht seine ursprünglichen Aromen des Rooibos-Tees. Mich fasziniert besonders, dass auch die natürlichen Bitterstoffe des Tees in den Geschmack einfliessen. Dies macht den Likör sehr authentisch. Für den Sommer empfehle ich eine einfache Mischung, die auch zu Hause für ein Apéro leicht nachgemacht werden kann.

Sommerdrink mit Rooibos Likör

  • Weinglas zur Hälfte mit Eis füllen
  • 3 cl Joseph Cartron Rooibos Thé Likör
  • 1,5 cl Beeren Likör (z. B. Joseph Cartron Crème de Mure)
  • Mit Apfelschorle aufspritzen
  • Mit einer Orangenzeste und Pfefferminzblättern garnieren

So haben Sie schnell eine spritzige Schorle und sicher einmal etwas anderes.

Joseph Cartron – Likör vom Aromen-Architekten

img_1404_cartron_burgundFür mich zählen die Liköre von Joseph Cartron sicher zu den Besten. Die Qualität der einzelnen Produkte ist einzigartig, denn hier kommen die natürlichen Aromen der Frucht deutlich zum Vorschein. Selbst beim Grapefruit Likör schmeckt man das „Bittere“ der Grapefruit heraus. Für mich ist dies sehr wichtig, denn ein überzuckerter Likör zerstört den Geschmack der Frucht. Das unglaublich intensive Aroma resultiert sicher auch aus der sorgfältigen Arbeit, die bei Cartron die Regel ist. Die kleine Destillerie in Nuits-Saint-Georges, im Herzen vom Burgund, hat sich vollkommen der hohen Qualität und Authentizität der Früchte verschrieben. Mittlerweile wird diese Schatzkammer für Likör-Liebhaber in der fünften Generation geführt und gilt als Mekka für Geniesser auf der Suche nach Aromen-Enthusiasmus.  Der Schlüssel des unglaublichen Erfolges ist die achtsame Auswahl von erlesenen Früchten. Die Liebe zur Tradition gebietet auch Wertschätzung, Nachhaltigkeit und Regionalität. So wird – um die hohe Qualität der Früchte zu gewährleisten – seit Generationen mit den gleichen, regionalen Anbauern gearbeitet. Aus diesen Früchten resultieren die harmonische Frische und das intensive Aroma der Fruchtliköre von Joseph Cartron.



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